Credit Suisse: Ein spekulativer Rebrand
Ein spekulativer Rebrand für Credit Suisse, als Rückkehr zu den Schweizer Wurzeln. Recherche, Identitätssystem und Anwendungen.
Im März 2023 fiel der Aktienkurs von Credit Suisse stark, nachdem der größte Aktionär weitere Investitionen ausgeschlossen hatte. Trotz einer Liquiditätshilfe von 50 Milliarden Franken durch die Schweizerische Nationalbank schwand das Vertrauen weiter, und UBS übernahm die Bank in kurzer Zeit. Dieses Projekt ist eine spekulative Markenarbeit: Was hätte es aus Identitätssicht gebraucht, um Vertrauen wiederherzustellen? Kein neues Logo um seiner selbst willen, sondern eine Rückkehr zur Ursprungsgeschichte der Bank als Schweizer Institution.
Warum ein Rebrand
Die Credit Suisse Group AG wurde 1856 in Zürich als Schweizerische Kreditanstalt gegründet, ein Grundpfeiler des Schweizer Bankwesens. Über Jahrzehnte der Konsolidierung und internationalen Expansion ist die Markenidentität von diesem Ursprung abgedriftet. Dieser Rebrand nimmt die Krise von 2023 als Anlass, zu bekräftigen, was die Bank einmal war: schweizerisch, konservativ, langfristig, vertrauenswürdig. Die These: Vertrauen baut man nicht wieder auf, indem man moderner aussieht. Man baut es wieder auf, indem man mehr nach dem aussieht, was man einmal war.

Historische Recherche
Die Recherche begann bei der eigenen Logo-Geschichte der Bank: die Gründungsmarke der Schweizerischen Kreditanstalt von 1856, die New-York-Erweiterung 1940, das rot-weiß-blaue Zeichen von 1976, die First-Boston-Fusion 1990, der Zusammenschluss zur Credit Suisse Group 1997, das Refresh 2021. Die aktuelle Marke war der Endpunkt einer 165-jährigen Abstraktion weg von einer spezifisch schweizerischen Bildsprache.

Das Wermelinger-Kreuz
Die vorgeschlagene Marke greift das Wermelinger-Kreuz wieder auf, ein frühes Credit-Suisse-Symbol, das durch einen Designwettbewerb ausgewählt und in der Ära vor der Konsolidierung verwendet wurde. Aus vier ineinandergreifenden rechten Winkeln um ein zentrales Negativquadrat gebaut, liest sich die Marke schon durch ihre geometrische Konstruktion als schweizerisch: präzise, konservativ, reduzierbar. Sie verweist auf die Schweizer Flagge, ohne sie zu kopieren, und signalisiert Kontinuität zur vorinternationalen Geschichte der Bank.

Identitätssystem
Das Farbsystem ankert in einem tiefen institutionellen Marineblau, mit Schweizer-Flaggen-Rot als einzigem Akzent, neutralen Grautönen für sekundäre Verwendung und warmem Off-White als Papier- und Digitalgrund. Die Palette vermeidet bewusst die hellen Blautöne zeitgenössischer Banken, zu freundlich für die Positionierung.


Anwendungen
Die Anwendungen konzentrieren sich auf die Markenflächen, an denen Vertrauen entsteht oder verloren geht: physische Filialbeschilderung, Geschäftsausstattung, der Geschäftsbericht, Mobile Banking. Jede Fläche wurde so gestaltet, dass sie zuerst institutionelle Kontinuität kommuniziert, digitale Gegenwart erst in zweiter Linie.






