MedPass
Ein Healthcare-App-Konzept für österreichische Patienten - ein Ort, um Rezepte zu verwalten, auf medizinische Dokumente zuzugreifen und zu kontrollieren, wer Ihre Gesundheitsdaten sieht. Entwickelt an der FH JOANNEUM mit einem interdisziplinären Team.
MedPass ist ein mobiles App-Konzept für österreichische Patientinnen und Patienten, das Rezepte, Gesundheitsdokumente und Datenzugangskontrolle an einem Ort bündelt. Das Projekt wurde im Sommersemester 2026 an der FH JOANNEUM im Rahmen eines interdisziplinären Teams aus Interaction-Design- und Betriebswirtschaftsstudierenden entwickelt. Meine Rolle umfasste den vollständigen UX- und UI-Designprozess: Research, Informationsarchitektur, Interaktionsdesign, visuelles Design und die vollständige Markenidentität.
Das Problem
Österreichs Gesundheitssystem ist digital in der Infrastruktur, aber in der Praxis fragmentiert. Patientinnen und Patienten nutzen mehrere Systeme gleichzeitig - ELGA für Befunde, einzelne Apothekenapps für Rezepte, separate Portale für Termine - die nicht miteinander kommunizieren. In qualitativen Interviews kristallisierten sich drei wiederkehrende Probleme heraus: fehlende Übersicht über offene Rezepte, mangelnde Transparenz darüber, wer Gesundheitsdaten eingesehen hat, und die Parallelnutzung von Papier- und Digitalsystemen als zeitraubende Doppelbelastung.
Interview-Ansatz
Die Research-Phase basierte auf sieben halbstrukturierten Interviews mit oesterreichischen Patientinnen und Patienten mit unterschiedlichen Gesundheitssystem-Erfahrungen: Personen mit wiederkehrenden Rezepten, gelegentliche Arztbesucherinnen, internationale Studierende, die das oesterreichische System neu kennenlernen, und aeltere Teilnehmende, die Papierdokumente, Telefonate und familiaere Unterstuetzung parallel nutzen. Statt zu fragen, ob sie noch eine Gesundheits-App wollen, rekonstruierten wir konkrete Situationen Schritt fuer Schritt: ein Rezept bekommen, eine Apotheke finden, einen Laborbefund erhalten, Dokumente zu einem Termin mitnehmen oder verstehen, wer ELGA-Daten einsehen kann.
Das wertvollste Interviewmaterial entstand an Bruchstellen. Die Teilnehmenden beschrieben das System selten als komplett kaputt, sondern als eine Folge kleiner Unsicherheiten: ob das E-Rezept schon aktiv ist, welche Apotheke das Medikament hat, wo der PDF-Befund liegt oder wer die eigenen Daten sehen kann. Diese Geschichten formten MedPass als Vertrauens- und Sichtbarkeitsschicht, nicht als ueberladene Gesundheits-Super-App.
Pain Points aus den Interviews
Forschung
Wir führten sieben qualitative Interviews mit österreichischen Patientinnen und Patienten unterschiedlicher Altersgruppen und Nutzungsintensitäten durch. Die halbstrukturierten Interviews decktens aktuelle Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem, den Umgang mit ELGA und E-Rezepten sowie konkrete Problemmomente ab. Die Auswertung erfolgte mittels Affinity Mapping - Aussagen wurden zu Themen gruppiert und nach Häufigkeit und Schwere priorisiert. Das Ergebnis: zwölf Top-Findings (TF#01–TF#12). Das Team wählte TF#06 - die Unsichtbarkeit des Rezeptstatus und des Datenzugriffs - als primären Designfokus, da er die höchste Interview-Frequenz und die deutlichste Lücke zwischen Systemfähigkeit und Nutzererwartung aufwies.


Marktkontext
Wir analysierten die bestehende Landschaft patientenorientierter Healthcare-Tools in Österreich entlang zentraler Funktionsdimensionen: Rezeptverwaltung, Dokumentenzugang, Datentransparenz und Terminkoordination. Die meisten Tools adressieren ein oder zwei dieser Bereiche - das offizielle ELGA-Portal bietet Dokumentenzugang, aber keinen Rezeptstatus; Apothekenportale decken die Abholung ab, nicht aber Geschichte oder Datensichtbarkeit. MedPass wurde als erste Ebene positioniert, die alle vier Dimensionen für Patientinnen und Patienten abdeckt - ohne die klinischen Systeme zu ersetzen, die Leistungserbringer bereits nutzen.

Service Blueprint
Der Service Blueprint kartiert die vollständige Rezeptreise - von der Ausstellung eines E-Rezepts durch die Ärztin über die Benachrichtigung der Patientin, die Apothekensuche, die Abholung bis zum abgeschlossenen Eintrag in der Rezepthistorie. Er zeigt Handlungen auf Ebene der Patientin, der MedPass-App, der Backend-Systeme (ELGA, Apothekennetzwerk) und der beteiligten Akteure (Ärztin, Apothekerin). Der Blueprint machte sichtbar, wo das System heute versagt: Zwischen Rezeptausstellung und Apothekenabholung hat die Patientin keine gesicherte Statusübersicht - und keinen Log darüber, wer wann auf ihre Daten zugegriffen hat.

Informationsarchitektur
Die Informationsarchitektur gliedert MedPass in vier primäre Bereiche: Home (Überblick und Benachrichtigungen), Rezepte (aktiv, ausstehend, abgeschlossen), Dokumente (Gesundheitsakte, Laborbefunde, Entlassungsbriefe) und Prozesse (Datenzugriffsprotokoll, Zugangskontrolle). Die Navigation ist flach gestaltet - keine verschachtelten Menühierarchien - da die Zielgruppe auch ältere und digital weniger versierte Patientinnen und Patienten umfasst, die direkten und vorhersehbaren Zugang zu jedem Bereich benötigen. Die IA legt auch fest, wo Notfall-Dokumentenfreigabe und schnelle Apothekensuche in den Ablauf integriert sind, ohne dass die Nutzenden den aktuellen Kontext verlassen müssen.

Lean Canvas
Die unternehmerische Rahmung von MedPass - validiert im Rahmen des interdisziplinären Moduls - positionierte die App als patientenseitige Begleitschicht zur bestehenden österreichischen Gesundheitsinfrastruktur, nicht als konkurrierendes klinisches System. Das Lean Canvas identifizierte das Kundensegment (österreichische Patientinnen und Patienten, die ELGA nutzen), das Kernangebot (einheitliche Ansicht von Rezepten, Dokumenten und Datenzugriff in einer App), Schlüsselpartnerschaften (ELGA-API, Apothekennetzwerke, ID-Austria-Authentifizierung) und das Erlösmodell (öffentliche Beschaffung / Integrationslizenzierung, kein Consumer-Abo).

Die Interface-Ebene wird zuerst ueber das System gezeigt und danach ueber angewandte Mockups. Das entspricht dem Aufbau des Projekts: zuerst Vertrauenssignale, Barrierefreiheit und Komponentenlogik definieren, danach das Produkt im Nutzungskontext zeigen.
Brand Guideline
Das Brand Guideline dokumentiert die visuelle Identitaet hinter MedPass: das sichere Gesundheitsakten-Zeichen, das Teal-Farbsystem, Typografie, Layoutregeln, Icon-Verhalten und Anwendungsbeispiele. Die Marke wirkt ruhig, offiziell und zugaenglich, ohne in eine kalte Krankenhausaesthetik zu fallen.


Brand Guideline - 18-seitige Identitaetsreferenz, als durchblaetterbares Buch dargestellt.
Design System
Das Design System definiert die wiederverwendbare Sprache der App: Typografie, Farbskalen, Schatten, Buttons, Eingabefelder, Karten, Navigation, Pop-ups, Feedback-Zustaende und Fortschrittselemente. Im Fokus stehen Konsistenz und Lesbarkeit fuer Gesundheitsmomente, in denen Nutzerinnen und Nutzer gestresst, in Eile oder mit sensiblen Informationen beschaeftigt sein koennen.



Interface-Mockups
Die Mockups zeigen die App in alltaeglichen Healthcare-Kontexten: Rezeptstatus zu Hause pruefen, Login ueber Austria ID, eine Apotheke finden, Laborbefunde ansehen und ein Rezept zur Abholung vorzeigen. So wirkt die Oberflaeche als Werkzeug in realen Aufgaben statt als isolierte Screensammlung.









